Hausbesichtigung: Checkliste für Käufer
Eine Besichtigung dauert 45 Minuten. In dieser Zeit entscheidet sich, ob Sie mehrere hunderttausend Euro ausgeben. Die meisten Interessenten schauen sich die Küche an und vergessen den Keller. Diese Liste dreht die Reihenfolge um.
Vorher: was Sie mitbringen
- Taschenlampe, auch am helllichten Tag
- Zollstock oder Lasermessgerät
- Handy mit Wasserwaage und Kamera
- Ein Blatt Papier für Notizen, kein Kopfrechnen
- Eine zweite Person, die nicht verliebt in das Haus ist
Fordern Sie vorab Grundriss, Energieausweis und Baujahr an. Wer Ihnen das vor der Besichtigung nicht gibt, hat entweder keine Unterlagen oder etwas zu verbergen.
Außen, bevor Sie hineingehen
- Sockel und Fassade. Abplatzender Putz, Salzausblühungen, grüne Verfärbungen deuten auf Feuchtigkeit.
- Risse. Feine Haarrisse im Putz sind normal. Risse, die über eine Ecke laufen oder sich zum Ende hin verbreitern, sind ein Fall für den Sachverständigen.
- Dach. Verschobene Ziegel, durchhängender First, Moos in dicken Polstern. Fragen Sie nach dem Alter der Eindeckung.
- Rinnen und Fallrohre. Wo das Wasser danebenläuft, wird die Wand nass.
- Gelände. Fällt es zum Haus hin ab? Dann steht Wasser an der Wand.
- Nachbarschaft. Schauen Sie sich um. Ein Betrieb mit Nachtbetrieb oder eine viel befahrene Straße bleiben, das Haus können Sie ändern.
Keller: der ehrlichste Raum im Haus
Hier sehen Sie, wie das Haus wirklich steht. Riechen Sie zuerst. Modriger Geruch verschwindet nicht durch Lüften.
- Feuchte Flecken an Wand und Boden, besonders in Ecken
- Frisch gestrichene Sockelbereiche, die kaschieren können
- Salzränder und abblätternder Putz
- Alter und Zustand der Heizung, Typenschild fotografieren
- Öltank: Alter, Zustand, Auffangwanne
- Sicherungskasten: Schraubsicherungen oder moderne Automaten, Fehlerstromschutzschalter vorhanden?
- Wasserleitungen: Blei, verzinkter Stahl oder Kunststoff
Wohnräume
- Fenster öffnen und schließen. Klemmt eines, verzieht sich der Rahmen. Prüfen Sie die Dichtungen und ob doppelt oder dreifach verglast ist.
- Steckdosen zählen. Zwei Dosen pro Raum bedeuten Nachrüsten.
- Boden. Federt er, knarrt er, ist er schief? Legen Sie eine Kugel hin.
- Ecken hinter Möbeln und Vorhängen. Genau dort sitzt Schimmel.
- Heizkörper. Größe und Zustand, sie entscheiden über die Möglichkeit einer Wärmepumpe.
- Handyempfang. In Hanglagen der Region ist er stellenweise dünn.
Dachboden
Nehmen Sie die Taschenlampe und gehen Sie hinauf, auch wenn es unbequem ist.
- Helle Punkte im Dach: undichte Stellen
- Dunkle Verfärbungen am Holz: Feuchtigkeit
- Bohrlöcher und Bohrmehl: Schädlingsbefall
- Dämmung vorhanden, und wenn ja, wie dick
Fragen, die Sie stellen sollten
- Wann wurden Dach, Fenster, Heizung und Elektrik zuletzt erneuert? Bitte mit Rechnungen.
- Warum wird verkauft?
- Wie lange steht das Objekt schon am Markt?
- Gab es Wasserschäden? Wann, wo, wie behoben?
- Wie hoch waren die Heizkosten in den letzten drei Jahren?
- Gibt es Baulasten, Wegerechte oder Wohnrechte?
- Sind Anliegerbeiträge angekündigt oder noch offen?
- Was bleibt im Haus, was wird mitgenommen?
Gehen Sie ein zweites Mal hin, bei anderem Wetter und zu anderer Tageszeit. Ein Haus im Sonnenschein am Samstagmittag ist ein anderes Haus als am Dienstagabend im Regen. Wer nach einer Besichtigung kauft, kauft die Stimmung.
Danach
Schreiben Sie noch im Auto auf, was Ihnen aufgefallen ist. Nach der dritten Besichtigung verschwimmen die Häuser.
Bei ernsthaftem Interesse holen Sie einen Bausachverständigen dazu. Das Honorar liegt im niedrigen dreistelligen bis vierstelligen Bereich und ist das billigste Geld, das Sie beim Hauskauf ausgeben.
Stand: 04.09.2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Für Ihren Fall sprechen Sie bitte mit Ihrem Notar, Steuerberater oder Anwalt.
← Alle Beiträge